Ring Bergisches Land

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Auf Pilgerfahrt nach Kathmandu

 

Die zehn Tage vipassana-Meditation in Bodhgaya führen mich heraus aus dem lauten Indien, hinein in eine “edle Stille” mit einfachen Regeln und einem geregeltem Tagesablauf.
Jeden Morgen um vier Uhr weckt mich der erste Gong, kurz später geht es los. Der Tag besteht aus elf Stunden Meditation und einer Stunde Unterrichtung. Zwischendurch gibt es kurze Pausen und zum Frühstück und Mittag einfache Mahlzeiten, nachmittags ist Teepause, aber kein Abendessen. Um 21 Uhr ist der Tag zu Ende. Die Zeit ist interessant, anstrengend und in gewisser Weise erhellend.

Die Rückkehr ins wirkliche Indien ist hart, vor allem weil auf einmal tausend Eindrücke wieder auf einen einhämmern. Mit Hilfe der Mitstudenten fällt die Reintegration dann aber wieder leichter. Wir tauschen uns über unsere Erfahrungen aus und befinden und alle in einer positiven Gleichmütigkeit.

Die Nachricht von Johannes, dass die Motorräder noch nicht in Chennai und geschweige denn verkauft sind, erreicht mich bald und wirft meine weitere Planung durcheinander. Eigentlich wollen wir uns am nächsten Tag in Patna treffen, aber das ist nun erstmal hinfällig.
Einige andere Studenten wollen nach Varanasi, diese historisch bedeutsame Stadt am Ganges. Das klingt nach einer vernünftigen Idee, also schließe ich mich an und nehme am nächsten Tag den Zug dorthin statt nach Patna.

Im Zug treffe ich zwei Mädels aus Hamburg die mich und meinen neuen Gefährten Lukas davor bewahren zu weit zu fahren. Eigentlich sollte der Zug um 21:10 Uhr losfahren und um drei Uhr Nachts da sein, hat dann aber 40 Minuten Verspätung. Irgendwie ist er trotzdem vor drei Uhr in Varanasi und wir noch am schlafen. Ein kurzes “Jungs, wir sind da!” weckt mich, ich packe meine sieben Sachen zusammen, löse das Zahlenschloss, mit dem mein Rucksack an der Sitzliege befestigt ist, und springe aus dem inzwischen schon fahrendem Zug. Ein weiteres exklusives Indien-Erlebnis...

Eine Fahrrad-Rikscha bringt uns zu den Ghats, den Steinstufen am Ganges, die die Promenade von ganz Varanasi säumen. Bis zum Sonnenaufgang verbringen wir die Zeit mit Touristengucken, Chai-Trinken und Nicht-Bootfahren (auch wenn einem die Bootfahrer versichern, dass gerade die beste Zeit zum Bootfahren sei, und es nur 50 Rupien kosten würde).

Die Tage in Varanasi sind erstaunlich schön, die Altstadt mit ihren engen Gassen und die zahlreichen Ghats gefallen mir sehr gut. Es ist ein bisschen wie Venedig, nur dreckiger und es wuselt nur so von Menschen und Tieren. Die meisten lebendig, aber auch einige Tote.
Für Hindus ist es ein grosses Glück in Varansi zu sterben und hier verbrannt zu werden. Durch die engen Gassen werden die Toten zu zwei Ghats zur letzten Ruhe getragen. Nach einer letzten Waschung im heiligen Ganges werden sie auf einem Holzhaufen postiert und dort verbrannt. Die Zeremonie ist beeindruckend und auch ein bisschen furchteinflössend.

Am zweiten Tag in Varanasi schreibt mir Johannes, dass die Motorräder angekommen und auch schon verkauft sind. In einer Woche treffen wir uns also wieder. Die Zeit will ich noch gut nutzen. Morgens versuche ich eine Yoga-Stunde und begebe mich dann auf buddhistische Pilgerreise.

In Bodhgaya, wo Buddha unter einem Bodibaum erleuchtet wurde, war ich ja schon und die anderen drei wichtigen Lebensstationen liegen idealerweise auf dem Weg nach bzw. in Nepal. Mein Weg führt mich also weiter nach Sarnath (erste Rede Buddhas), dann nach Kushinagar (Sterbeort Buddhas) und schließlich über die Grenze nach Lumbini, dem Geburtsort Buddhas.
Dort komme ich in einem koreanischen Kloster, wo ich Ambiente, Menschen und Essen sehr geniesse.

Die Busfahrt nach Kathmandu, die ich teilweise im und auf dem Dach des Busses verbringe, ist verdammt lang, aber das letzte Stück entschädigt mit einem wunderschönen Ausblick auf grüne Berge und einen kristallklaren blauen Fluss. Die Napalesen sind, so mein erster Eindruck, schon anders als die Inder, aber erstaunlicherweise noch freundlicher und herzlicher.

Nach der Mittagspause erlebe ich mein bisher schönstes Nepal-Ereignis. Der Busfahrer hat seinen Chef vergessen einzupacken, merkt das aber relativ schnell nach ein paar hundert Metern. Statt laut zu fluchen oder sich zu ärgern, fängt er aber einfach nur fröhlich zu lachen an und bald lacht der ganze Bus, über dieses Ungeschick. Als dann sein Chef angelaufen und in den Bus gesprungen kommt, erwarte ich eine Standpauke. Aber nichts dergleichen ist der Fall, auch er ist bester Laune und am Lachen. Ich freue mich, ob der allgemeinen Heiterkeit und der Erkenntnis, dass es eben auch anders geht, als sich immer nur gegenseitig anzublaffen.

Es ist inzwischen später Abend, als der Bus in Katmandu einfährt. Im vereinbarten “Tibet Peace Guesthouse” gibt es aber trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit kein Lebenszeichen von einem Deutschen namens “Johannes”. Ich checke also erstmal ein und schreibe nochmal eine Nachricht an ihn. Kurz nach meiner Rückkehr wartet er dann aber schon auf mich im Zimmer, und wir fallen uns freudig in die Arme. Die neuesten Neuigkeiten und besten Erlebnisse werden voller Elan ausgetauscht und es fühlt sich bald so an, als wären wir nie auseinander gewesen.

Die ersten Tage in Katmandu verbringen wir vor allem damit unsere Wanderroute im Himalaya Gebirge zu planen, fehlendes Material einzukaufen und unser weiteres Vorgehen zu überdenken.
Wir wollen einen der sehr günstigen Flüge nach Bangkok vermeiden und statt dessen den Landweg über Tibet und China nach Laos nehmen. Soweit der Plan. De Facto hat sich die Chinesische Regierung allerlei einfallen lassen, um das Reisen nach Tibet so streng wie möglich zu überwachen. Von Nepal sind die Einreise-Restriktionen noch strenger als von China aus und wir geben schon fast auf. Nach mehreren Diskussionen und dutzenden Besuchen in Reisebüros (wir sind inzwischen stadtbekannt und jeder Schlepper versucht uns eine noch billigere Tibetreise anzudrehen) buchen wir uns dann doch ein viel zu teure Gruppenreise von Nepal mit dem Bus nach Lhasa und dann weiter mit dem Zug nach Chengdu, China. Jetzt haben wir unseren Plan.

Morgen machen wir aber erstmal für eine Woche eine “Teahouse-Wanderung” auf den Helambu Circut im Himalaya Gebirge. Und gleich treffen wir uns zum Abendessen mit Klaus, einem deutschen Entwicklungshelfer, den ich in Lumbini kennengelernt haben. Dann gibts vermutlich Holzofen-Pizza, denn kulinarisch kann Kathmandu einiges!

Namaste und Be happy!!
Adrian








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