On the road
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Jetzt geht es also los. Adrian und ich haben unsere Siebensachen zusammengepackt das Guesthouse-Zimmer bezahlt und stehen nun vor unseren Motorrädern.
Gestern Abend gings mir erkältungstechnisch noch relativ mies. Adrian hat sich noch einen Film reingezogen (Ja, Zimmer mit Fernseher!) während ich ein bisschen leidend eingeschlafen bin. Und jetzt packen wir unser Gepäck auf die Motorräder. Helme haben wir noch nicht, weil wir uns nicht sicher sind ob wir sie brauchen. Ansonsten haben wir unser Gepäck noch um eine Straßenkarte und um ein Moskitozelt erweitert. Wegen des Moskitozeltes waren wir durch halb Chennai gerannt und gefahren, hatten sogar einen Outdoorladen gefunden, der so was aber natürlich nicht hatte. Gespräch im Kiosk: Adrian legt zwei Tüten Chips auf die Theke. Verkäufer: 10 Rupees. Ich beginne Geld rauszukramen. V: Anything else? A: No thank you? V: Something to drink? A: No. V: Toilett paper, moskito spirals, moskito tent? A: No, thank you. ... Wait. YOU have moskito tents? V: Of course. Single or double, which colour? Jetzt schnüren wir auf jeden Fall mit "cotton rope" (sowas wie Gepäckspanner findet man hier nicht) unsere Rucksäcke auf die drangeschweißten Gepäckträger und dann gehts los. Lonley Planet verheißt "zwei Autostunden durch die staubigen Vorstädte von Chennai dann erreicht man einen roten, felsigen Menschenverlassenen Küstenstreifen (...)" Stadtplan haben wir eh nur vom Zentrum und die Strassenkarten haben 3 Strassen die aus Chennai rausführen und einen großen Fleck, der Chennai ist, also fahren wir mal los. Das geht halbwegs gut. Wir haben ja die letzten zwei Tage schon ein bisschen geübt, und ich hab ja auch einen Autoführerschein und noch nie ohne Fahrlehrer im Auto gesessen... wird schon schiefgehen. Das Gepäck macht kaum einen Unterschied, nur dass man ein bischen weiter vorne sitzt. Stadtverkehr ist Stop and go ohne Ende. Bei der vierten Kreuzung würgt Adrian ab, und ich bin ganz stolz, dass nicht ich als Erstes dran bin. Dafür bin ich einige Zeit später dran, als ich mitten auf einer Kreuzung stehe und versuche anzufahren nachdem die Ampel grün springt. Alles nicht so schlimm, die Inder hupen eh ununterbrochen, außerdem würgt hier auch schon mal ein Inder auf offener Straße ab. Mein Gepäck sitzt wirklich weit vorne, sodass mein rechtes Bein wenig Platz hat, wenn die Fußspitze in der Nähe von der Hinterradbremse sein will. Außerdem bekommt das Gepäck so eine seltsame Rechtslast... Ich schließe zu Adrian auf und bitte ihn, mal irgendwo anzuhalten, damit ich mein Gepäck neu ordnen kann. Wir halten in der Einfahrt zu einem seltsamen bewachten Gebäude. Ich fange an zu packen, der Wachmann kommt fragen, ob er helfen kann. Adrian fragt ihn, ob er auf der Karte zeigen kann, wo wir sind. Kann er genausowenig, wie der Typ, der die Schranke bedient. Karte lesen scheinen die wenigsten Inder zu können. Nachdem Adrian mir beim packen geholfen und ich seine Schnürtechnik übernommen habe, fahren wir weiter. Ich würge an einer weiteren Ampel ab, weil ich glaube das Portmonee verloren zu haben... Nachdem ich ersteinmal wieder unterwegs bin fällt mir ein, dass Adrian es hat. Wieder Kreuzung. Adrian mogelt sich drüber, ich fahre kurz hinter mir, als von Links die Wagen und Zweiräder los düsen. Halten. Ich stehe als einziges Zweirad, ganz vorne. Erstmal zurückrollen, vor das Erste Auto. Ich betrachte die Ampelanlage: Aus. Normalerweise regelt dann ein Polizist den Verkehr - Nichts. die Kreuzung von zwei zweispurigen Kreuzungen und keine ersichtliche Verkehrsregelung. Die Autos von links hören auf zu fahren, da fährt links los. Warum ausgerechnet die? Inzwischen schieben sich aber immer mehr Roller und Motorräder zwischen den Autos durch, sodass ich nicht mehr alleine vorne stehe. Schließlich weiß ich nicht obs darum geht, wer hier als erstes losfährt, um Vorfahrt zu bekommen. Hin und wieder rasen einzelne Motorräder rechts und links von mir durch entstehende Lücken im Querverkehr. Dann hört aus unerklärlichen Gründen der Strom an Autos auf und alle bei mir fahren los. Ich auch. Gas, Kupplung los, Kupplung rein, Hacke auf Schalthebel, Kupplung raus, Gas, Kupplung rein, Hacke auf Schalthebel, Gas. Hupen. Adrian hat gewartet und fährt auch an und wir sind wieder unterwegs. Wir halten bei einer Bude wo wir uns Burger, Fritten und Fruchtsäfte reinziehen. Ausserdem ne ordentlich Partie Backgammon. Schliesslich versuchen wir schon seit gut anderthalb Stunden aus Chennai rauszukommen. Wieder auf der Straße merken wir, wofür ein Helm mit Visier gut wäre. Immer wieder ist ordentlich Sand auf der Fahrbahn, und wenn da Autos durchrasen, dann sieht man nicht mehr so viel. Sonne brennt auch ordentlich. Aber Sonnencreme brauch ich nicht. Ist ja nur Wintersonne. Irgendwann erreichen wir eine Mautstation. Alle Mopeds fahren links, wir also auch, runterschalten in den zweiten Gang, zwei Hubel überfahren, schaün ob man irgendwo was zahlen muss... Nö, keiner hält. Also beschleunigen! Auf einer erstaunlich leeren Straße! Das macht mal richtig Spaß. Adrian schaut mal, was sein Motorrad so fährt. Ich gebe auch gut Gas, aber ohne Geschwindigkeitsanzeige (die ist bei mir kaputt) ist das nicht ganz so hip.... Chennai liegt hinter uns. Wo auch immer die Lonley Planet Fuzzis waren, hier auf jeden Fall nicht. Es ist grün, die Luft ist gut, alle Naselang ein Dorf. Wir kommen auf jeden Fall ordentlich vorwärts. Natürlich haben wir in Chennai vollgetankt. Zeigt meine Tankanzeige auch an. Ich gebe Gas und schaue auf die Tankanzeige. Nanu, der Zeiger bewegt sich plötzlich nach links. Vom Gas runter. Zeiger wieder nach rechts, aber nicht soweit wie vorher. Seltsam. Ich blicke runter und nach hinten. Naja keine Benzinspur zu sehen. Einige Zeit später zeigt mein Tank Reserve an. Ich gebe Gas und die Tankanzeige wandert außerhalb der Skala, vom Gas runter, Tankanzeige wieder da. Ich überhole Adrian und fahre bei nächster Gelegenheit links ran. Motor aus. Ich erkläre Adrian was los ist. Tank auf, noch ordentlich Benzin drin. Tank zu. Schlüssel rein. Tankanzeige auf Reserve. Naja, bei Gelegenheit mal bei einer Schrauberbude vorbei. Wir fahren weiter. Wo wir sind wissen wir nicht. Alle Orte durch die wir fahren sind nicht auf der Karte. Wir fragen irgendwelche Inder die keine Karte lesen könnnen, uns aber versichern, richtig zu sein. Irgendwann kommen wir auch an `ne T-Kreuzung wo es rechts nach Pondicherry geht. Super, da wollen wir ja morgen Weihnachtsessen beim Franzosen machen. Also weiter. 70 km vor Pondicherry überlegen wir uns, das wir langsam mal nach einem Schlafplatz suchen könnten. Die nächste asphaltierte Straße links rein, die so aussieht, als würde sie ins nirgendwo führen. Ziemlich schnell sind wir in einem Dorf und egal welchen Weg wir nehmen, immer noch mehr Dorf. Die Leute winken, wir suchen eher etwas wo wir unsere Ruhe haben. Ein paar Kilometer später neuer Versuch. Wieder Dorf, aber diesmal finden wir einen Feldweg, wo es keine Hütten gibt. Wir fahren darauf weiter bis wir ein Stück Wiese mit zwei Bäumen kurz vor Reisfeldern finden. Super! Maschinen abgestellt und plötzlich: Ruhe und Natur. Das erste Mal seit... Wir denken nach. Seit dem Gebirge vor Finike in der Türkei. Das ist schon knapp einen Monat her. Wir sitzen an den Baumstamm gelehnt und genießen. Natürlich kommt bald ein Inder mit seinem Sohn vorbei. Der spricht aber kein Wort Englisch, darum bleiben uns Erklärungen erspart. Nach etwas gescheiterter Kommunikation ziehen die beiden ab. Wir bleiben sitzen und schauen der Sonne beim untergehen zu. Bleibt noch die Sache mit dem Essen. In Chennai Spiritus zu bekommen war unmöglich, darum haben wir auch auf Lebensmittel verzichtet. Vor allen Dingen weil in Chennai alles anstrengend war. Auf der Straße gabs ein Restaurant, aber wir sind nicht so besonders motiviert, nochmal aufs Motorrad zu steigen und unsere Hintern tun weh. Irgendwann raffen wir uns doch auf. Adrians Maschine würgt immer ab, wenn er einen Gang einlegen will, aber irgendwann gehts doch. Ich spiele an meinem Licht herum bis irgendwann was leuchtet. Dann düsen wir durch das dunkle Dorf zurück zur Straße. Haben auf dem Hinweg die Leute noch gewunken schauen sie jetzt nur erstaunt. Bei der Straße treffe ich Adrian wieder, der mir sagt, das ich Fernlicht anhabe, und mir die Lichtschalter erklärt. Im Restaurant bestellt Adrian etwas scharfes, ich probiere etwas neues und bekomme eine Sahnesauce (vielleicht). Ich glaube meines schmeckt nach nichts, bis ich mich an meine Erkältung erinnere und darauf die Schuld schiebe. Adrians Essen ist zwar lecker, aber die Sauce ist so scharf, dass sie ohne Brot nicht zu essen ist. Das erste Mal das in Indien etwas so scharf ist! Wir fahren zurück, finden nach einigem Suchen unseren Schlafplatz wieder und stellen die Räder ab. Zwei Meter auseinander, Poncho dazwischen und Mückennetz an den Maschinen festgemacht. Der Vollmond versaut uns den Sternenhimmel, aber wir schlafen endlich im Freien. Und anstrengend war das alles auch, darum legen wir uns hin. Richtig warm ist es nicht. Schlafsack ist aber zu heiß, also ein halbes Zudecken. Dann ist die Müdigkeit weg und wir Quatschen noch ein Stündchen bis wir dann einschlafen. Morgen wollen wir unbedingt ein Photo von diesem Schlafplatz schießen... Johannes |
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