Die ersten Tage
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Nun also doch einmal Fliegen. Den Landweg durch das überschwemmte Pakistan wollen wir umgehen und haben daher ein Flugzeug gechartert. Gestern haben wir uns von Jurek und seinem Mitbewohner Marco verabschiedet und heute sagen wir Ade zu Istanbul - dieser beeindruckenden Stadt mit den (mindestens) zwei Gesichtern. Die Metro bringt uns sicher zum Flughafen. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie schnell man sich an eine neue Umgebung gewöhnt und in ihr zurecht findet. War es am Anfang noch der totale Krampf Jurek am vereinbarten Ort zu treffen, bewegen wir uns heute locker und leicht durch die Straßen von Istanbul. Die Sicherheits- und Flugformalitäten sind bald geregelt und schon sitzen wir in der Maschine nach Bahrain. Dieses kleine Land nehmen wir also auch noch mal eben mit. Das Flugzeug geht 10 Minuten zu früh los, das habe ich wirklich auch noch nie erlebt. Die Maschine ist modern und an seinem persönlichen Monitor kann man sich die neusten Hollywood-Streifen reinziehen. Sogar das Essen schmeckt, schöne Neue Welt. Der Flughafen in Bahrain ist ein ziemlicher Reinfall und wir amüsieren uns über Arabische Prinzen vor Plastik-Weihnachtsbaumen. Wir verbringen die Zeit mit Backgammon und Kaffee und hören irgendwann den letzten Aufruf zu unserem Flug. Kann aber eigentlich nicht sein, da ja eine Stunde Zeitverschiebung ist. Aber da kommt die Durchsage schon wieder. Wir bekommen Panik und laufen wie zwei gestochene Wildschweine zu unserem Gate. Tatsächlich wartet draußen keiner mehr, aber ansonsten ist hier die totale Gelassenheit. Es dauert dann auch noch geschlagene 30 Minuten bis wir boarden, unsere restlichen Bahrainischen Dollars, die wir eingetauscht haben, können wir also nicht mehr für Wasser ausgeben, sondern spenden sie für einen guten Zweck - sicherlich auch nicht verkehrt. Der Flug nach Mumbai ist nicht so komfortabel, es läuft auch nur ein schlechter Bollywoodfilm auf großen Bildschirmen. In Mumbai hat uns die Zeitverschiebung fest im Griff. Es ist nach indischer Zeit 6 Uhr morgens, tatsächlich aber mitten in der Nacht. Wir bekommen schon einen ganz guten Vorgeschmack auf Indien als wir aus dem Flughafen treten und unser Pre-Paid Taxi besteigen. Es ist schwül, voll und dreckig. Die Fahrt durch Mumbai ist genial, ich sauge die Eindrücke nur so in mich auf. Johannes kämpft, ob der Müdigkeit. Wir finden eine nette Bleibe in einem schönen Viertel, müssen uns aber noch die Zeit bis zum einchecken um 12 Uhr vertreiben. Frühstücken geht aber auch noch nicht, da die meisten Läden noch nicht auf haben. An der Straße bekommt man schon was, aber da trauen wir uns noch nicht dran. Also erkunden wir erstmal unser Viertel, vorbei an auf der Straße schlafenden Menschen, sich an der Straße entleerenden und waschenden Indern und vorbei an den alten kolonialen Gebäuden. Wenn wir es nicht sehen würden, würden wir es wahrscheinlich nicht glauben. Wir sind in Indien, und was für eine Kulisse! Die weiteren Tage in Mumbai dienen vor allem der Eingewöhnung. Wir tasten uns langsam an das indische Essen heran und versuchen die Hitze zu ertragen. Es sind ca. 33 Grad im Schatten und Nachts wird es nur wenig kühler. Ich überlege schon meinen Schlafsack zurück zu schicken, Johannes hält meine Voreiligkeit aber zurück. Nach zwei Tagen können wir das Essen langsam genießen und wollen mehr vom Land sehen. Zunächst schauen uns die Höhlen von Ellora an, beschließen dann aber erstmal an den Strand von Goa zu reisen, um besser mit dem Klima klar zu kommen. In Goa verbringen wir schöne Tage am Strand. An einem ruhigen Flecken kommen wir bei wirklich netten Jungs unter, die hervorragend kochen und einfach nur nett sind. Mit dem Roller vom Koch heizen wir den kleinen Bundesstaat rauf und runter und verbringen so manche Stunde im warmen Arabischen Meer. Die Hochsaison steht hier unmittelbar bevor und so reisen wir nach ein paar Tagen ein bisschen wehmütig ab, bevor die Touristenmassen einfallen. Der Strand in Patnem ist wunderschön, aber wir wollen ja auf Fahrt sein und keinen Strandurlaub machen. Hampi steht als nächstes auf dem Programm und es ist bezaubernd. Von einer alten ehemaligen 500.000 Einwohner fassenden Stadt ist nicht mehr viel übrig, außer Tempel, Gebäude, Steine. Es gibt unglaublich viel zu entdecken, sogar so viel, dass wir Abends gar keine Lust mehr auf alte Steine haben. So schön Hampi ist, so viele Touristen gibt es hier. Wir bewegen uns zwar relativ autark und versuchen unser Ding durchzuziehen, aber man merkt, dass man doch auch als Tourist gesehen wird. Wie kommen wir aus dieser "Traveller"-Nummer raus und was können wir tun um wirklich mehr auf Fahrt zu sein? Nach einigen gescheiterten Versuchen Wanderkarten zu bekommen lesen wir Reiseberichte von anderen Gruppen, die mit dem Motorrad in Indien unterwegs waren. Schnell reift in uns der Entschluss, dass dies unsere Lösung sein könnte. Also brauchen wir Maschinen. In Hampi gibts die aber wohl eher nicht, also auf nach Chennai, hier werden schließlich die Royal Enfields hergestellt und vielleicht bekommen wir dort ja günstig zwei gute Motorräder. So machen wir es. Abgemacht. Selber erstaunt über uns, dass wir bald Motorräder fahren wollen schmieden wir unseren Fahrtplan. Die Abreise aus Hampi verschiebt sich dann aber doch nochmal, weil es mich erwischt. Einmal komplette Magenentleerung, Reset, auf Null, dann kanns ja weiter gehen. Wir genießen die Zugfahrt, bei der wir uns zeitweise einen Sitzplatz teilen und das letzte Stück in der 2. Klasse fahren. Ist alles gar nicht so schlimm, wie man so liest oder hört. Chennai ist ein Moloch! Es ist schwül, diesig, stinkend und einfach nur total überfüllt. Wir kommen in einem mäßigen Guesthouse unter, nehmen es aber ob unserer bald kommenden Freiheit in Kauf. Nachdem wir mehrere Optionen durchgegangen sind - Mieten oder Kaufen - wird uns ein Händler empfohlen, bei dem wir uns schließlich zwei kleine Maschinen kaufen. Royal Enfields sind es dann doch nicht geworden, die sind schlicht zu teuer. Ich hege aber weiterhin den Wunsch, dass ich so ein Teil mal fahren will und sie sehen auch wirklich nur genial aus. Toll ist, dass sie quasi baugleich mit denen aus dem Jahre 1940 sind. Neue Oldtimer so zu sagen. In der Realität sind wir nun aber im Besitz von zwei neueren indischen Motorrädern. Die haben auch schon ihre 9 bzw. 11 Jahre auf dem Buckel, wieviel Kilometer ist nicht heraus zu finden, die Anzeige ist kaputt oder manipuliert. Es dauert noch zwei Tage, dann sind unsere Maschinen fertig, wir haben die Papiere und auch eine Versicherung. Dann kann es ja losgehen. Adrian |
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