Auf dem lykischen Weg
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Adrian und ich liegen auf unseren Rucksäcken im Schatten. Der Lykia Yolu ist seit dem wir vor einer guten Stunde losgelaufen sind ein schmaler Trampelpfad durch eine felsige Landschaft. Die Steine sind spitz und setzen den Schuhen ordentlich zu, es ist grün, aber was grünt hat auch Dornen. Jurek hat Magenprobleme und sich weiter unten ins Gebüsch geschlagen. Von Kohletabletten konnte ich ihn noch nicht überzeugen. Es ist warm und bald wird es heiß werden. Man hört Insekten rufen, ganz selten ist ein Vogel unterwegs. Die Augen werden schwer und Jureks Schritte wecken aus etwas das irgendwo zwischen Dösen und Einschlafen liegt... Einen Anstieg und ein grasiges Plateau später führt uns der Weg nun an der Steilküste entlang. Ein Bach fließt ins Meer, zu weit unten dass wir ihn ohne viel Aufwand erreichen könnten. Auf dem Weg ist jetzt auch wieder was los. Ziegen denen die Hitze nichts auszumachen scheint, steigen munter die Steilhänge hoch und runter. Plötzlich stoppt Adrian. Eine gefährliche Schildkröte versperrt uns den Weg. Wir machen ein Photo und weiter gehts. Bald sehen wir die ersten Häuser der Hafenstadt Üçagiz. Die Mittagshitze hat uns eingeholt und wir schwitzen in Strömen. Wir sehnen uns nach Schatten haben aber weder Lebensmittel noch Wasser, eine Pause vor Üçagiz ist nicht drin. Aus unerklärlichen Gründen führt uns der Weg noch einmal ein kleines Stück den Hang hoch, vielleicht umgeht er gerade ein nicht gekennzeichnetes Privatgelände. Dann stehen wir plötzlich im Garten eines Wohnhauses. Ich gehe vorne, schaue nach Markierungen als sich plötzlich das Gewicht auf meiner linken Schulter erhöht. Ich sattele im Hauseingang ab. Ja, einer der Tragegurte meines Schweizers ist gerissen. Kann man jetzt und hier nichts machen. Ich sattele wieder auf. Jurek kommt um die Ecke gebogen und sagt, er brauche dringend ein Klo. Wir laufen in das Dorf ein. Die Hafenpromenade ist voller Touri-Abzock-Cola Buden. Wir biegen in die Stadt ein und satteln in einer Gasse gegenüber der Moschee ab. Jurek sucht ein Café mit Toilette, ich besehe mir den Schaden an meinem Rucksack und Adrian nutzt den Trinkwasserspender an der Moschee. Mit einem Packriemen beginne ich den Rucksack zu flicken - ein bisschen Vorraussicht war dabei als ich einen extra eingepackt habe - da kommt Jurek wieder und treibt uns ins Café. Wir laufen ihm hinterher, bestellen drei Chai. Jurek bekommt eine Kohletablette, ich leihe mir sein Tool um mit dem Lederdorn den Packriemen zu bearbeiten und wir kloppen eine ordentliche Partie Skat. Nach Pause und Einkaufen füllen wir am Trinkwasserspender der Moschee unsere Wassersäcke. Viel mehr als 20 Liter fasst der nicht, denn als wir fertig sind ist er leer. Wir laufen weiter und es ist immer noch heiß. Die Wanderkarte und der Wanderführer die wir aus Deutschland mitgebracht haben sind mäßig. Wo wir uns befinden ist damit auf zehn Kilometer genau zu schätzen, wenn man sich in einem großen Dorf befindet weiß man wo man ist, Hütten, Flüsse, Brunnen oder Ruinen sind nichtssagend. Es wird Abend und wir wissen mal wieder nicht, wo wir sind. Morgen Abend wollen wir in Demre sein und darum laufen wir lieber nochmal über einen Hügel weiter und um eine Kurve weiter bevor wir einen Schlafplatz suchen. Schließlich beginnt es zu dämmern. Dämmerung hier in der Türkei ist eine Sache von einer knappen Viertelstunde. Als wir einen Brunnen erreichen, der Wasser führt und um den es genug unfelsigen Boden gibt, das man hier notfalls bleiben könnte, satteln wir ab. Den Hang hinunter, Richtung Meer sehen wir ein paar eingestürzte Steinhäuser. Dort suchen wir nach einem besseren, abgeschiedenen Schlafplatz. Die wenigen Häuser stellen sich als verhältnismäßig großes Dorf mit Turm am Meer herraus. Alles eingestürzt und zwar mit den Steinen nach innen, Richtig in Ruinen schlafen ist also nicht. Nahe dem Turm ist ein weiterer Brunnen und ein relativ grosser, Steinfreier, grader Platz mit Blick auf Meer und Steilklippe. Unten scheint es sogar drei Meter Stand zu geben, aber inzwischen ist von Sonnenlicht weit und breit nichts mehr zu sehen. Im Vollmondschein können wir unser Gepäck sicher her schaffen. Feuerholz gibt es zu hauf. Die kleinen Bäume und Sträucher haben unten einiges an abgestorbenem Geäst, das Knochentrocken ist. Es ist zwar dunkel aber noch früh, zu kochen hat ersteinmal noch niemand Lust, darum wird Feuer angemacht und gewaschen. Der Brunnen führt Wasser, aber es fehlt uns ein Gefäß um es sinnvoll herauszuholen. Mein Koschi hat keinen Henkel und die Trangiatöpfe auch nicht. Mit Jureks Kaffekanne (0,2l) beginne ich zu schöpfen. Mehr als zwei Schlücke ungefiltert zu trinken trauen wir uns nicht und haben wir auch nicht nötig. Nach einer Schöpforgie waschen Jurek und ich ein T-Shirt, bevor wir mit dem Kochen beginnen und den Abend mit Meerblick und Höllenfeuer ausklingen lassen.... Johannes |
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